Samstag, 14. April 2012

Ausstellung Cécile Brunner

Cécile Brunner
Am 12. April 2012 war die Eröffnung der Ausstellung "Meer und Blumenmeer" in meiner Praxis an der Rathausgasse 21.
Ich liebe die Bilder der Künstlerin Cécile Brunner und deshalb habe ich mich riesig gefreut, als sie für eine kleine Ausstellung bei mir zusagte. Sie hat ein besonderes Auge für Natur und Wasser. Nicht nur die Begabung all dies wahr zu nehmen, sondern auch die künstlerische Umsetzung dieser Wahrnehmung zeigt sich als eindrückliches Talent.
Wenn ich vor einem ihrer Meeresbilder stehe, tauche ich virtuell in dieses weite Element Wasser ein. Das Spiel von Farbe und Licht, die Schwerelosigkeit, die  im Wasser so oft spürbar ist, ist als körperliche Wahrnehmung sofort da. Es ist schlicht beruhigend, es ist Erholung pur, es ist Meditation. 

Eine Besucherin an der Vernissage meinte zu den Blumenbildern: "Ich habe jetzt den Duft der Engadiner Blumenwiese in der Nase!"  Fast meint man auch die sachte Bewegung der Blumen und Pflanzen in der milden Frühlingsbrise zu sehen...

Bilder können eine heilsame Wirkung auf uns Menschen haben. Wir alle kennen die entspannende Wirkung eines Tagtraumes. Denken wir zurück an einen schönen Ferientag, reagiert unser Organismus so, als ob wir dies unmittelbar erleben würden. Der Blutdruck senkt sich, Stresshormone werden abgebaut, Wohlbefinden breitet sich aus, - es geht uns schlicht besser, wenn wir uns für kurze Zeit auf dieser fiktiven Erholungsinsel aufhalten. Genau dieser Effekt kann ein wohltuendes Bild haben. Der visuelle Impuls geht direkt zum Gehirn und faltet von dort aus seine Wirkung auf den ganzen Menschen aus.

Herzlichen Dank, Cécile Brunner, für die Gelegenheit deine Bilder betrachten zu dürfen! 
 

Samstag, 31. März 2012

Welche Auswirkungen hat das neue Psychologiegesetz?

Gestern trafen sich die Mitglieder des VAP (Verband Aargauer Psychologinnen und Psychologen) zur jährlichen Versammlung. Viele der Teilnehmenden berichteten von ähnlichen Erfahrungen: Die Bevölkerung wisse oft gar nicht, dass sich bis jetzt jede Person Psychologin bzw. Psychologe nennen könne. Mit dem neu beschlossenen Psychologiegesetz (PsyG; voraussichtlich gültig ab 1.1.2013) muss dafür eine Grundausbildung in Psychologie (Hochschulabschluss auf Masterstufe) vorgewiesen werden. Diese Grundausbildung ist dann auch Voraussetzung für den Psychotherapieberuf.

Heute ist es so, dass Psychotherapien von der Grundversicherung der Kranken-
kassen nur dann übernommen werden, wenn diese von ärztlichen Psychotherapeut/
-innen erbracht werden. Die psychologischen Psychotherapeut/-innen können aus-
schliesslich über die Grundversicherung abrechnen, wenn sie von Ärztinnen und Ärzten angestellt und in deren Praxen tätig sind (so genanntes delegiertes Arbeitsverhältnis). 

Wir alle dürfen nun gespannt sein, wie es berufspolitisch weitergeht. Der Bundesrat wird darüber entscheiden müssen, ob und wie die Leistungen der nichtärztlichen PsychotherapeutInnen in der Grundversicherung verankert werden können. Frau Nationalrätin Katharina Prelicz-Huber hatte in der Herbstsession 2011 eine Anfrage an den Bundesrat gestartet (auch in der Verbandszeitschrift des Berufsverbandes SBAP aktuell nachzulesen). Erste Aussagen des Bundesrates  können auf diese Verankerung hoffen lassen.

Montag, 27. Februar 2012

Im leeren Raum

Der Hauptbahnhof Zürich ist in der Regel voller Menschen. Hin und wieder ist die grosse Halle jedoch fast leer. Diese Leere gibt mir manchmal ein Gefühl von Raum und Ruhe, welche ich unmittelbar auch geniesse. Ist es nicht genau das, was wir Menschen im übervollen Alltag hin und wieder brauchen? Kleine Ruheinseln im hektischen Tun? Es ist für mich ein kleines Geschenk, diese Verschnaufpause im grossen ruhigen Leerraum.

Ein leerer Raum kann auch ein Lehrraum sein. Wenn ich voller Unruhe, Gedanken und Pendenzenlisten bin, kann ich kaum etwas neues lernen. Aufnahme- und lernbereit bin ich erst, wenn ich offen, ruhig und gewissermassen leer bin.

Gedicht gegen die Angst

Streichle das Blatt
küsse den Hund
tröste das Holz
hüte den Mund
zähme den Kamm
reime die Lust
schmücke den Schlaf
plätte den Frust
neige das Glas
wiege das Buch
liebe die Luft
rette das Tuch
schaue das Meer
rieche das Gras
kränke kein Kind
iss keinen Frass
lerne im Traum
schreibe was ist
nähre den Tag
forme die Frist
lenke die Hand
eile und steh
zögere nicht
weile wie Schnee
öffne die Tür
lade wen ein
schenke dich hin
mache dich fein
prüfe dein Herz
geh übers Feld
ruhe dich aus
rühr an die Welt

Ilma Rakusa

Sonntag, 26. Februar 2012

Frühlingsboten

Seit ein paar Tagen riecht die Luft nach Frühling. Die Sonne wärmt eindeutig mehr und das Vogelgezwitscher hat zugenommen.

Erste Pflänzchen zeigen sich auch schon zaghaft im vorsichtigen Grün, aber die Weidekätzchen behalten sicherheitshalber den wärmenden Mantel noch eine Weile an!

Dienstag, 7. Februar 2012

Milena Moser schreibt

Milena Moser
Die Autorin Milena Moser kann man schon länger in ihrem kreativ-lustvollen Blog lesend begleiten. Jetzt hat sie ein neues Buch geschrieben: Montagsmenschen. Zur Zeit gibt es viele Artikel in verschiedenen Zeitungen über diesen Roman. Der Tagesanzeiger lässt uns mehr über den Werdegang der Autorin wissen und freut sich über ihre kurzweiligen Geschichten, Der Sonntag greift Scheitern, Krisen und Pannen der Figuren des Romans auf, allesamt Personen, die im Schweizer Alltag zu finden sind.

Auf jeden Fall ist es so, dass Milena Moser Themen aufgreift, die für sehr viele Menschen aktuell und bedeutsam sind. Die Schwierigkeiten einer Paarbeziehung, das zermürbende, anstrengende und traurige Erleben einer Trennung, oder die Freuden und Leiden des Alleinseins. Die Autorin beschreibt z.B. im Migrosmagazin, wie sie einen Weg für sich durch schwierigen Zeiten im eigenen Leben gefunden hat. Sie schreibt. Sie macht Yoga. "Für mich ist Yoga ein Training im Aushalten unangenehmer Sachen", wie sie sagt. Beim Schreiben dagegen ist ihr am wohlsten.

Schreiben kann tatsächlich in schwierigen Lebensphasen hilfreich sein. Was auf dem Papier (bzw. im Tagebuch, auf dem Bildschirm) steht, ist nicht mehr ausschliesslich im Kopf, sondern draussen. Es tut oft gut, in der eigenen Gedankenwelt verweilen zu können, wenn aber die ewig gleichen wiederkehrenden Gedanken nicht mehr zu stoppen sind, können diese zur Belastung werden.
Das Aufschreiben hat meistens eine erweiterte Wirkung, die Gedanken nicht mehr mit sich herum tragen zu müssen, sondern sie für einen Moment los zu werden. Später dann diese Gedanken von sich selber zu lesen, mit dem Blick von aussen, kann tatsächlich einen anderen Blickwinkel für den persönlichen Prozess bieten.

Sonntag, 5. Februar 2012

Reden Paare noch miteinander?

In der Aargauer Zeitung vom 4.2.12 greift Benno Tuchschmid in der Kolumne "Zettel" folgendes Faktum auf: Die Leute haben zwar ein Gegenüber für ein mögliches Gespräch, wählen aber stattdessen nicht selten die Kommunikation mit dem Laptop, iPad oder Smartphone.
Mails werden gelesen, SMS geschrieben, das Facebook-Profil ergänzt etc. Die neuen Medien sind da. Sie werden bleiben und mehr und mehr Möglichkeiten bieten. Auch dies ist ein Faktum.Wie gehen wir Menschen hiermit um? Wie verhalten wir uns gegenüber Freunden oder in der Paarbeziehung?
"Man stellt sich unweigerlich Fragen: Sprechen die nie, wenn drahtloses Internet vorhanden ist? Haben sie deshalb vielleicht weniger Streit als andere Paare? Kann man das Sprechen mit Partnern verlernen? Checken die ihr Geschäftsmail während des Geschlechtsverkehrs? Würden die ein schlechtes Restaurant mit Wi-Fi gegen ein gutes ohne Wi-Fi eintauschen?"
Auch wenn Benno Tuchschmid seine etwas traurigen Beobachtungen in einem Restaurant in Laos gemacht hat, trifft das genau gleiche auch zunehmend hierzulande zu. Und ja: Es ist möglich das leichte und ungezwungene Sprechen zu verlernen. Die tieferen Gespräche ebenso.

Wer sich regelmässig Zeit, Raum und Energie für das direkte Gespräch nimmt, wird sich geübter und entsprechend gelassener fühlen. Wer die Art und Weise des entspannt aufeinander Zugehens, das leichte Plaudern über Gott und die Welt beherrscht, wird sich ebenfalls leichter und wohler fühlen. Wer sich in den jeweils Anderen einfühlen und ihn wahrnehmen kann, wird selber eher als freundlich-interessiertes Gegenüber wahrgenommen. Eine Win-Win-Situation kann so entstehen.